Ungerechte Landwirtschaft

Landwirtschaft - 25.10.2020


Unsere Landwirtschaft steht vor großen ökologischen Herausforderungen. Die Leidtragenden sind dabei die Landwirt*innen.

Die Landwirtschaft wirkt sich auf unterschiedliche Bereiche unseres Lebens stark aus. Sie versorgt uns mit Lebensmitteln, bietet Beschäftigung und gestaltet durch die großen Flächen, die benötigt werden, auch die Landschaften. Dies hat verschiedenste Auswirkungen auf die Natur, denen wir begegnen müssen:

Die heutige Landwirtschaftliche Produktion hat in Deutschland einen Anteil von 7.5 % an allen Treibhausgasemissionen, wovon der größte Teil auf Methan aus der Tierhaltung zurückzuführen ist. Dies erscheint zunächst als nicht besonders viel, jedoch müssen wir die Art, wie Landwirtschaft in Deutschland betrieben wird grundsätzlich überdenken, wenn wir bis 2035 klimaneutral leben wollen.

Wir müssen unsere Böden vor Erosion und unser Grundwasser vor Verunreinigung schützen. Weiterhin hat die Landwirtschaft den stärksten Einfluss auf unsere Artenvielfalt. Dies liegt an den riesigen Flächen, die beansprucht werden, um Lebensmittel zu produzieren: Baden-Württemberg liegt mit einem Flächenanteil der Landwirtschaft von knapp 40 %  der Gesamtfläche des Landes etwas unter dem deutschlandweiten Durchschnitt von 47 %.
Die wichtigsten Treiber des Artensterbens sind der Verlust von Lebensräumen und die Überführung von Flächen in intensive Landwirtschaft. Ebenfalls eine große Rolle spielen die Nutzung von chemischen Stoffen wie Pestiziden oder invasive Arten. Das Artensterben ist für unsere Existenz bedrohlich, denn es bringt ganze Ökosysteme aus dem Gleichgewicht mit nicht vorhersehbaren Folgenfür die Menschheit.

Um das Ziel einer ökologischen, resilienten Landwirtschaft, die mit der Natur arbeitet, zu erreichen brauchen wir strukturreiche Landschaften mit vielen verschiedenen Früchten, Leguminosen, Bäumen und Hecken. Hier können sich Nützlinge ansiedeln, welche Schädlinge auf natürliche Art und Weise bekämpfen. Gleichzeitig schützen wir unsere Böden vor Erosion durch Wind und unser Grundwasser vor Pestiziden. Viehwirtschaft braucht ungleich mehr Flächen als der Anbau von Gemüsen oder Getreiden, da zusätzlich zum Lebensraum der Tiere auch noch Futter für sie angebaut und transportiert werden muss. Um unsere Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft zu reduzieren muss also die Viehwirtschaft schrumpfen.

Die Landwirt*innen brauchen mehr Unterstützung!

Die Landwirt*innen werden von Teilen der Bevölkerung, der Medien und der Politik oft als Schuldige dieser ökologischen Probleme dargestellt. Dies ist jedoch absoluter Unsinn da es, vorallem für die kleinen Betriebe, oft um die pure Existenz geht und die Transformationen zu ökologischer Landwirtschaft enorme Kosten bedeuten. Die Arbeit in der Landwirtschaft ist sehr anstrengend, zeitaufwendig und lässt wenig Raum für Flexibilität. Gleichzeitig sind die Löhne niedrig, weil ein Großteil unserer Gesellschaft von niedrige Lebensmittelpreisen abhängig ist, welche die Discounter über Preisdrücke liefern, auf Kosten der Betriebe. Die Politik der letzten Jahrzehnte hat die Landwirt*innen in Produktionsmuster gedrängt, aus denen sie ohne Unterstützung nicht mehr herauskommen können. Wenn wir eine sozial-ökologische Landwirtschaft wollen, dann schulden wir ihnen diese Unterstützung.

Deshalb fordere ich:
Mehr und gerechtere, ökologische Subventionen für die Landwirtschaft!

Momentan werden Betriebe vor allem von Seiten der EU und vom Land Baden-Württemberg unterstützt. Die EU Agrarsubventionen im Rahmen der GAP sind eine Absage an kleine Betriebe und an den Naturschutz. Hier erhalten die Betriebe am meisten, die über die größten Flächen verfügen. Zusatzleistungen für ökologischen Anbau fallen sehr schwach aus. Da der größte Teil der Gelder allein für Fläche ausgegeben wird, sind die zehn größten Empfänger von Fördergeldern in Deutschland keine Landwirt*innen, sondern riesige Unternehmen. Hier wird wieder deutlich, dass eine Politik, die von konservativen Mehrheiten geprägt ist, immer auch eine Politik für Lobbyinteressen von Großkonzernen ist.

Auf Landesebene existieren Förderprogramme, welche die landwirtschaftlichen Betriebe für ökologische Maßnahmen unterstützen sollen. Dies ist selbstverständlich nur richtig, jedoch fallen auch hier die Fördergrößen für ökologisches Wirtschaften deutlich zu gering aus. Das Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl setzt an den richtigen Stellen an, jedoch ist eine Förderobergrenze von 40.000 € je Antragsteller bestimmt, welche die riesigen Kosten der ökologischen Transformation eines landwirtschaftlichen Betriebes nicht auffangen kann.

Um diese notwendigen Transformationen sozial gestalten zu können, um den Landwirt*innen bessere Löhne zahlen zu können und um einen starken Anstieg der Lebensmittelpreise zu verhindern, brauchen wir bessere, gezieltere Fördermittel für die Landwirtschaft. Hierzu braucht es die sozial-ökologische Partei im Landtag, es braucht DIE LINKE im Landtag!